Software QS-Tag 2017

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Der Software QS-Tag 2017 wird von der imbus AG organisiert und war wie schon letztes Jahr vollgepackt mit vielen interessanten Vorträgen. Neu war der Veranstaltungsort: Das Sheraton Hotel am Frankfurter Flughafen. Nachdem letztes Jahr praktisch Überfüllung angesagt war, war es diesmal nicht ganz so kuschlig, dafür aber mit umso mehr Teilnehmern.

Gefallen hat mir die perfekte Organisation und die Betreuung als Sprecher! Auch die Speakers Corner war eine super Idee, die gerne beibehalten werden darf.

Aufgrund der vielen Vorträge, die ich mir angehört habe, werde ich nur kurz auf die, aus meiner Sicht, interessantesten eingehen. Die obligatorischen Sketchnotes dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Eröffnungskeynote von Prof. Dr. Dr. Frank Kirchner: Wie testet man autonome Systeme?

Die Eröffnungskeynote hätte ruhig noch eine Stunde weiter gehen können, so unterhaltsam erzählte Herr Kirchner über seine Arbeit an autonomen Systemen. Dabei holte er das Publikum bei den Anfängen der KI ab, die mit Turing begann. Über die grundlegende Arbeitsweise und Einordnung der KI ging es dann weiter bis hin zu Robotern, die autonom Arbeiten. Die Herausforderungen, die dabei im Moment zu bewältigen sind, spielen sich im Bereich der direkten Zusammenarbeit mit Menschen ab, auf die die Systeme sicher eingestellt werden müssen. Aber auch die Robotik selbst steht vor großen Herausforderungen, da die Roboter immer komplexer werden und kaum noch von Menschen komplett erfasst werden können. Interessant fand ich hierbei, dass Roboter heutzutage aus Subsystemen aufgebaut werden, die selbst autonom arbeiten. Vorbild war hier die Natur selbst: Nervenbahnen für das Laufen zum Beispiel steuern das beim Menschen auch weitgehend dezentral.

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Richard Seidl: Qualität als Haltung in Teams etablieren

Weiter ging es mit Richard Seidl, der aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit unterschiedlichen Teams berichtet hat. So kommt es nicht auf die Methodik oder Teamgröße an, ob Qualität entsteht, sondern auf die Haltung innerhalb der Teams selbst. Viel wichtiger ist der nötige Freiraum, cross-funktionale Teams, Wertschätzung und die Reflexion über die vorhandenen Prozesse. Um hier etwas zu bewegen braucht es viel Zeit, Energie und Geduld.

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Klaus Erlenbach: Wenn schon White Box Tests, Dann aber richtig

Klaus Erlenbach hat mir entgegen meiner Erwartungen noch einiges über White Box Tests und deren Verhältnis zu Black Box Tests beigebracht. Die zwei wichtigsten Punkte, die ich mitgenommen habe:

  • Testabdeckung findet nicht alle Fehler und schon gar nicht illegale Anweisungen!
  • Black Box Tests testen die Spezifikation -> Mit White Box Tests findet man dann Lücken in ebendieser

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Reinhold Schmidt, Heiko Kracker: Testsetup und Continuous Deployment mit Docker und Jenkins

Im nächsten Vortrag von Reinhold Schmidt und Heiko Kracker, der eigentlich ein Tutorial war, ging es um Docker und dessen Einsatz für den Aufbau von Testumgebungen. Vieles wusste ich leider schon, aber trotzdem war die Einführung umfassend und sehr verständlich. Mit Docker Compose habe ich dann noch etwas Neues erfahren. Außerdem war es schön, die Thematik so strukturiert aufbereitet zu sehen!

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Dr. Jeremias Rößler: Bei uns testen lauter Affen – Das Ende der Bananensoftware

Der Titel war verheißungsvoll und Herr Rößler hat auch nicht enttäuscht. Der Vortrag sprühte vor Witz und interessanten Gedanken. Dabei ging es zuerst darum zu definieren, was ein Bug eigentlich ist. Neben der Spezifikation kann ein Bug auch zu einem Feature werden, wenn die Benutzer sich daran gewöhnt haben! Man muss also quasi ein Orakelproblem lösen. Besser ist es aber, sich ein Bild der Applikation im aktuellen Zustand zu machen und eine KI darauf zu trainieren, Änderungen zu finden. Genau das soll der intelligente Affe sein, den Herr Rößler als Tool auf den Markt bringen wird. Ich bin gespannt!

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Alexander Hartmann, Jan Stiller: Erfahrungen mit Last- und Performancetests für GIT in den ICEs der deutschen Bahn

Unter dem Vortrag habe ich mir etwas mehr Theorie vorgestellt. Stattdessen gab es sehr viele Bilder der Technik und der Arbeitsweise des WLANs in den Zügen der Deutschen Bahn. Die Herausforderungen, die bei einem so schwierigen Test zu bewältigen waren, waren gewaltig. Neben mehreren Clustern von Raspberry PIs, um die nötige Last zu erzeugen, wurden zum Beispiel auch Dash-Cams aufgestellt, um Bildschirme zu filmen.

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Florian Gerdes: SERUM – Security Rules Engine – ganzheitliche Security Assurance

Florian Gerdes stellte seine Masterarbeit vor. Dabei ging es um eine Datenbank für Verwundbarkeiten, die mit einer Rules Engine Vorschläge machen soll, wie diese im Entwicklungsprozess berücksichtigt werden können. Es gibt nämlich noch keine wirkliche Infrastruktur für Security-Belange. Deswegen soll eine globale Wissensdatenbank geschaffen werden, die zum Beispiel zum Threat-Modeling herangezogen werden kann.

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Fazit

Der Software QS-Tag hatte diesmal für mich einige Highlights zu bieten. Die Keynotes waren sehr inspirierend und selbst über die Grundlagen von Black & White Box Tests konnte ich noch etwas lernen! Schön zu sehen waren auch die zahlreichen Vorträge zum Thema Security. Da meiner Meinung nach Security mit Softwarequalität eng zusammenhängt, finde ich diese Entwicklung erfreulich.